Zimmerer und Holzbau
Zimmerer schaffen langlebige Holzbauten und verbinden traditionelles Können mit modernem, klimafreundlichem Bauen.
Warum dieses Handwerk
Zimmerer bauen mit Holz das, was ein Gebäude trägt und schützt: Dachstühle, Decken, Wände in Holzrahmenbauweise, Treppen, Balkone, Carports und ganze Häuser. Sie sanieren Fachwerk, stocken Gebäude auf, bauen Dachgeschosse aus und errichten Hallen für Landwirtschaft und Gewerbe. Ein Richtfest zeigt, was in wenigen Tagen entstehen kann, und ein sauber abgebundener Dachstuhl steht Jahrhunderte.
Der Beruf verbindet altes Wissen mit moderner Technik. Die Verbindungen und Regeln des Holzbaus sind seit Generationen bewährt, doch heute wird am Computer geplant, auf der Abbundanlage millimetergenau zugeschnitten und in der Halle zu Wand- und Dachelementen vorgefertigt. Auf der Baustelle werden die Teile mit dem Kran gesetzt und fachgerecht verbunden. Wer räumlich denkt, gern mit einem Naturbaustoff arbeitet und Ergebnisse sehen will, findet hier eine Aufgabe, die Kopf und Hand gleichermaßen braucht.
In Sachsen-Anhalt arbeiten Zimmerer in Handwerksbetrieben, in Holzbauunternehmen mit eigener Fertigung und in Betrieben, die sich auf Fachwerk und Denkmalpflege spezialisiert haben. Die Innungen sind über die Kreishandwerkerschaften organisiert; die Handwerkskammern Halle und Magdeburg begleiten Ausbildung und Meisterprüfung.
Was man verdient
Zimmererbetriebe gehören zum Baugewerbe, für sie gilt der Lohntarifvertrag, den der Zentralverband des Deutschen Baugewerbes, der Hauptverband der Bauindustrie und die IG BAU abgeschlossen haben. Seit dem 1. April 2026 sind die Löhne im Osten vollständig an das Westniveau angeglichen. Der Gesamttarifstundenlohn der Lohngruppe 4 (Ecklohn) beträgt 26,05 Euro; Regelqualifikation für diese Gruppe ist die abgeschlossene dreijährige Ausbildung, also der Zimmerergeselle. Facharbeiter der Lohngruppe 3 erhalten 23,97 Euro, Vorarbeiter (Lohngruppe 5) 27,29 Euro und Werkpoliere (Lohngruppe 6) 29,72 Euro. Ungelernte Werker beginnen bei 15,86 Euro, Fachwerker bei 18,73 Euro. Bei 40 Wochenstunden (173,3 Stunden im Monat) entspricht der Ecklohn rechnerisch rund 4.500 Euro brutto im Monat; ein Vorarbeiter kommt auf rund 4.730 Euro.
Nach Tarif kommen 30 Urlaubstage, 25 Prozent Urlaubsgeld und ein 13. Monatseinkommen hinzu; Urlaubs- und Rentenansprüche werden über die Sozialkasse des Baugewerbes (SOKA-BAU) abgesichert. Die Tabelle gilt für tarifgebundene Betriebe oder wenn der Arbeitsvertrag darauf verweist. Tatsächliche Löhne hängen von Aufgabe, Erfahrung, Auslösung bei Montage und Zulagen ab. Fragen Sie deshalb nach Lohngruppe, Wochenstunden, Fahrzeitregelung und Sonderzahlungen.
Ausbildung, Meister, Aufstieg
Die Ausbildung ist als Stufenausbildung angelegt: Nach zwei Jahren kann die Prüfung zum Ausbaufacharbeiter mit Schwerpunkt Zimmererarbeiten abgelegt werden, nach dem dritten Jahr folgt die Gesellenprüfung zum Zimmerer. Die Ausbildungsvergütung im Baugewerbe ist seit dem 1. April 2026 bundesweit einheitlich: 1.122 Euro im ersten, 1.351 Euro im zweiten und 1.610 Euro im dritten Jahr. Wichtig sind Mathematik für Aufmaß und Dachausmittlung, räumliches Vorstellungsvermögen, Teamfähigkeit und körperliche Fitness.
Nach der Gesellenzeit führt der Weg über Vorarbeiter und Polier bis zum Werkpolier; der Tarifvertrag bildet diese Stufen mit eigenen Lohngruppen ab. Wer Verantwortung für Planung und Betrieb übernehmen will, macht den Zimmerermeister, wird Techniker für Holzbau oder studiert Holztechnik beziehungsweise Bauingenieurwesen. Für Denkmalpflege gibt es den Restaurator im Zimmererhandwerk. Viele Betriebe im Land suchen Nachfolger, deshalb ist der Meisterbrief auch der kürzeste Weg zum eigenen Unternehmen.
Zukunft in Sachsen-Anhalt
Holz ist der Baustoff, mit dem sich Klimaziele im Bau am einfachsten erreichen lassen: Er speichert Kohlenstoff, lässt sich vorfertigen und ist leicht genug für Aufstockungen auf bestehenden Häusern. Genau diese Aufgaben stehen in Sachsen-Anhalt an. Städte wie Halle, Magdeburg und Dessau brauchen zusätzlichen Wohnraum ohne neue Flächen, Schulen und Kitas werden zunehmend in Holzbauweise errichtet, und viele Dachstühle aus der Nachkriegszeit müssen vor der nächsten Eindeckung oder Solaranlage verstärkt werden.
Dazu kommt das Erbe des Fachwerks. Quedlinburg ist Welterbe, Wernigerode, Stolberg, Tangermünde und viele Dörfer im Harzvorland und in der Altmark bestehen zu großen Teilen aus Fachwerkhäusern, die laufend instand gesetzt werden. Diese Arbeit verlangt Zimmerer, die Holzverbindungen von Hand herstellen und alte Konstruktionen lesen können. Sie kann weder importiert noch automatisiert werden, und der Bedarf an Fachkräften übersteigt seit Jahren die Zahl der Auszubildenden.
So bewerben Sie sich
Nennen Sie Ausbildung, Berufsjahre, Führerschein und Ihre Schwerpunkte: Dachstuhl, Holzrahmenbau, Abbund, Fachwerksanierung, Innenausbau oder Montage. Wenn Sie mit CAD, Abbundanlagen oder Kranarbeit vertraut sind, schreiben Sie es dazu. Einsteiger nennen Praktika, Schulprojekte und den Grund, warum sie mit Holz arbeiten möchten.
Klären Sie im Gespräch, wie groß das Einsatzgebiet ist, ob Montagen mit Übernachtung anfallen, wie Fahrzeiten bezahlt werden und in welche Lohngruppe der Betrieb einstuft. Fragen Sie nach Werkzeug, Arbeitskleidung, Fortbildung und der Perspektive zum Vorarbeiter oder Meister. Offene Stellen im Holzbau in Sachsen-Anhalt finden Sie direkt unter diesem Artikel; die Bewerbung führt jeweils zum Betrieb.