Weitere Handwerksberufe
Die Vielfalt des Handwerks bietet praktische Arbeit, regionale Arbeitgeber und viele Wege zu Verantwortung und Selbstständigkeit.
Warum dieses Handwerk
Das Handwerk in Sachsen-Anhalt ist mehr als Bau, Elektro und Kfz. Dazu gehören Schornsteinfeger, Kälteanlagenbauer, Raumausstatter, Gerüstbauer, Land- und Baumaschinenmechatroniker, Uhrmacher, Goldschmiede, Buchbinder, Textilreiniger, Instrumenten- und Orgelbauer, Brunnenbauer und viele weitere Berufe. Für sie gibt es auf anhalt.io keine eigene Seite, aber dieselbe Grundlage: Betriebe vor Ort, die Fachkräfte suchen und in denen man die Wirkung der eigenen Arbeit sieht.
Die Zahlen zeigen, wie groß dieser Bereich ist. Die Handwerkskammer Halle zählt in ihrem Bezirk, dem Süden des Landes mit Halle, Dessau-Roßlau, Anhalt-Bitterfeld, Burgenlandkreis, Mansfeld-Südharz, Saalekreis und Wittenberg, Ende 2025 12.755 Betriebe mit rund 58.000 Beschäftigten, im Schnitt also knapp fünf Personen je Betrieb. Die Handwerkskammer Magdeburg, zuständig für den Norden mit Magdeburg, Altmark, Börde, Harz, Jerichower Land, Salzlandkreis und Stendal, führt rund 10.500 Betriebe. Zusammen sind das gut 23.000 Handwerksbetriebe im Land, der weit überwiegende Teil davon Familienbetriebe mit wenigen Beschäftigten.
Wer im Handwerk arbeitet, arbeitet in der Regel wohnortnah, sieht am Abend, was er geschafft hat, und hat einen Chef, den er kennt. Das ist der Grund, warum viele Beschäftigte trotz körperlicher Arbeit im Handwerk bleiben.
Was man verdient
Die Löhne im Handwerk unterscheiden sich stark nach Gewerk, Tarifbindung und Betrieb. Sachsen-Anhalt führt ein Tarifregister, das die Branchentarifverträge sammelt und Auszüge veröffentlicht oder auf Anfrage herausgibt. Zwei Beispiele aus diesem Register zeigen die Größenordnung: Im Elektrohandwerk liegt der tarifliche Eckwert seit Januar 2026 bei 3.253,80 Euro brutto im Monat (Gruppe E06, 40 Wochenstunden), im SHK-Handwerk beträgt der Ecklohn 16,51 Euro je Stunde oder 2.872,74 Euro im Monat (Gruppe 3, 174 Stunden). Für viele kleinere Gewerke gibt es dagegen keinen aktuellen Tarifvertrag; dort gilt die Vereinbarung im Arbeitsvertrag.
Die Untergrenze für alle ist der gesetzliche Mindestlohn von 13,90 Euro je Stunde seit Januar 2026, ab 2027 sind 14,60 Euro vorgesehen. Auszubildende, die 2026 beginnen, erhalten mindestens 724 Euro im ersten, 854 Euro im zweiten, 977 Euro im dritten und 1.014 Euro im vierten Ausbildungsjahr; viele Handwerkstarife liegen deutlich darüber, im Bäckerhandwerk zum Beispiel bei 1.070 Euro im ersten Jahr.
Ein Tarifvertrag gilt nur, wenn der Betrieb gebunden ist oder der Arbeitsvertrag darauf verweist. Fragen Sie deshalb in jedem Gewerk nach Stundenlohn oder Monatsentgelt, Wochenstunden, Eingruppierung, Zuschlägen, Urlaub und Sonderzahlungen. Ein Betrieb, der diese Fragen klar beantwortet, meint es ernst.
Ausbildung, Meister, Aufstieg
Der Einstieg ist fast immer die duale Ausbildung: drei bis dreieinhalb Jahre im Betrieb und in der Berufsschule, dazu überbetriebliche Lehrgänge bei den Kammern. Die Handwerkskammer Halle zählt Ende 2025 3.482 Lehrlinge, davon 1.145 im ersten Lehrjahr. Ein bestimmter Schulabschluss ist in den meisten Gewerken nicht vorgeschrieben; Betriebe achten auf Zuverlässigkeit, Interesse und ein Praktikum.
Nach der Gesellenprüfung ist der Meisterbrief der zentrale Aufstiegsschritt. Für die zulassungspflichtigen Gewerke in Anlage A der Handwerksordnung, etwa Elektro, SHK, Schornsteinfeger oder Kälteanlagenbau, ist er Voraussetzung, um einen Betrieb zu führen und auszubilden. In den zulassungsfreien Gewerken der Anlage B ist er freiwillig, wird aber für Ausbildung und Betriebsführung geschätzt. Im Kammerbezirk Halle haben 2025 145 Personen die Meisterprüfung bestanden, 123 Männer und 22 Frauen. Daneben gibt es den Betriebswirt im Handwerk, Techniker-Fortbildungen und in vielen Gewerken ein fachnahes Studium. Die Kammern beraten zu Fortbildung, Förderung und Betriebsübernahme; Innungen und Kreishandwerkerschaften organisieren die Gewerke auf Kreisebene und sind für Betriebe wie Beschäftigte der erste Ansprechpartner vor Ort.
Zukunft in Sachsen-Anhalt
Das größte Thema des Handwerks in Sachsen-Anhalt ist die Nachfolge. Viele Betriebe wurden nach 1990 gegründet, ihre Inhaber gehen in den kommenden Jahren in den Ruhestand, und längst nicht jeder findet einen Nachfolger. Für Gesellen und Meister ist das eine seltene Gelegenheit: Sie können Betriebe mit Kundschaft, Werkstatt und Aufträgen übernehmen, statt neu zu gründen. Die Kammern unterstützen Übergaben mit Beratung und Börsen.
Zugleich steigt der Bedarf. Wärmewende, Sanierung von Wohnungen und öffentlichen Gebäuden, Pflege der Verkehrs- und Wasserinfrastruktur, alternde Bevölkerung mit mehr Gesundheitshandwerk und Reparatur statt Neukauf sind Arbeit, die vor Ort bleibt und sich nicht verlagern lässt. Die Handwerkskammer Halle weist zwar auf sinkende Beschäftigtenzahlen und Konjunkturdruck hin; das ändert aber nichts daran, dass qualifizierte Fachkräfte in fast allen Gewerken gesucht werden. Wer eine Ausbildung abschließt, hat Auswahl, und wer den Meister macht, hat in Sachsen-Anhalt gute Chancen auf einen eigenen Betrieb.
So bewerben Sie sich
Nennen Sie Ausbildung, Gewerk, bisherige Betriebe und Schwerpunkte, und beschreiben Sie konkret, was Sie können: welche Maschinen, Materialien, Anlagen oder Kunden Sie kennen, ob Sie Führerschein, Schweißscheine, Zertifikate oder einen Meister haben und ob Sie bereits Aufträge, Baustellen oder Lehrlinge verantwortet haben. Berufseinsteiger nennen Praktika, handwerkliche Projekte und den Grund, warum sie genau dieses Gewerk lernen wollen. Ein Anruf im Betrieb ist im Handwerk oft der bessere Weg als eine lange Mappe.
Klären Sie im Gespräch Arbeitsort, Einsatzgebiet, Wochenstunden, Zuschläge, Werkzeug, Fahrzeug, Einarbeitung, Weiterbildung und die Vergütungsgrundlage. Fragen Sie auch, wie der Betrieb in fünf Jahren aussehen soll; die Antwort sagt viel über Ihre eigenen Aussichten. Offene Handwerksstellen in Sachsen-Anhalt finden Sie direkt unter diesem Artikel; die Bewerbung führt jeweils zum Betrieb.