Optik, Akustik und Orthopädietechnik
Diese Gesundheitshandwerke verbessern den Alltag von Menschen mit präziser Technik, persönlicher Beratung und individuellen Lösungen.
Warum dieses Handwerk
Augenoptiker, Hörakustiker, Orthopädietechnik-Mechaniker und Orthopädieschuhmacher gehören zu den Gesundheitshandwerken. Sie fertigen und passen Hilfsmittel an, die ein Mensch jeden Tag trägt: Brille, Kontaktlinse, Hörsystem, Prothese, Orthese, Bandage, Rollstuhl oder Maßschuh. Die Arbeit beginnt mit Messen und Beraten, geht über Werkstatt und Anpassung und endet erst, wenn das Hilfsmittel im Alltag wirklich funktioniert.
Der Unterschied zu vielen anderen Handwerken ist der direkte Kontakt mit Menschen, die eine Einschränkung haben. Wer schlecht sieht, schlecht hört oder nicht gut laufen kann, merkt sofort, ob die Versorgung stimmt. Das verlangt Genauigkeit in der Technik und Geduld im Gespräch. Augenoptiker messen die Sehstärke und wählen Gläser und Fassungen, Hörakustiker messen das Gehör und stellen Hörsysteme digital ein, Orthopädietechniker bauen Prothesen und Orthesen aus Carbon, Kunststoff und Metall und richten sie am Patienten aus, Orthopädieschuhmacher fertigen Einlagen und Schuhe nach Fußabdruck und Gangbild.
In Sachsen-Anhalt findet diese Arbeit in Fachgeschäften, Sanitätshäusern, Werkstätten und in enger Zusammenarbeit mit Kliniken, Reha-Einrichtungen, Augen- und HNO-Praxen sowie Orthopäden statt. Die Universitätskliniken in Halle und Magdeburg und die Kreiskrankenhäuser versorgen Patienten, deren Hilfsmittel anschließend ein Handwerksbetrieb in der Nähe fertigt.
Was man verdient
Für die Augenoptik gibt es keinen gültigen Tarifvertrag. Der letzte Lohn- und Gehaltstarifvertrag zwischen dem Zentralverband der Augenoptiker (ZVA) und ver.di stammt aus dem Jahr 2002 und ist gekündigt. Der ZVA veröffentlicht stattdessen bundesweite Tarifempfehlungen. Danach soll ein Augenoptiker mit Gesellenprüfung seit dem 1. April 2025 mindestens 15,65 Euro je Stunde beziehungsweise 2.707,25 Euro brutto im Monat erhalten, gestaffelt nach Tätigkeitsjahren. Das ist eine Empfehlung des Arbeitgeberverbands, keine verbindliche Tabelle, und sie gilt bundesweit, nicht speziell für Sachsen-Anhalt. Für die Ausbildungsvergütung gibt der ZVA ebenfalls Empfehlungen heraus.
Für Hörakustik, Orthopädietechnik und Orthopädieschuhtechnik liegen uns keine öffentlich einsehbaren Tariftabellen für Sachsen-Anhalt vor; wir nennen deshalb keine Spannen. Belegbar sind die Untergrenzen: Der gesetzliche Mindestlohn beträgt seit Januar 2026 13,90 Euro je Stunde, und Auszubildende, die 2026 beginnen, erhalten mindestens 724 Euro im ersten, 854 Euro im zweiten, 977 Euro im dritten und 1.014 Euro im vierten Ausbildungsjahr.
In der Praxis liegen Fachkräfte mit Gesellenbrief, Meister oder Zusatzqualifikation in diesen Berufen deutlich über dem Mindestlohn, weil die Betriebe mit Krankenkassen abrechnen und qualifiziertes Personal nachweisen müssen. Wie weit darüber, ist Verhandlungssache. Fragen Sie nach Monatsentgelt, Wochenstunden, Provision auf Verkauf, Zulagen für Außendienst in Kliniken und Heimen sowie nach bezahlten Fortbildungen.
Ausbildung, Meister, Aufstieg
Augenoptiker, Hörakustiker und Orthopädietechnik-Mechaniker sind dreijährige duale Ausbildungsberufe im Handwerk, Orthopädieschuhmacher dauert dreieinhalb Jahre. Die Berufsschule vermittelt Anatomie, Physik, Werkstoffkunde und Abrechnung; Hörakustiker besuchen die Berufsschule und die überbetriebliche Ausbildung gebündelt am Campus Hörakustik in Lübeck. Ein bestimmter Schulabschluss ist nicht vorgeschrieben, aber der Theorieanteil ist hoch, und viele Betriebe suchen Bewerber mit Realschulabschluss oder Abitur.
Nach der Gesellenprüfung führt der Weg zum Meister: Augenoptikermeister, Hörakustikermeister, Orthopädietechnik-Meister oder Orthopädieschuhmachermeister. Alle vier sind zulassungspflichtige Handwerke, deshalb ist der Meisterbrief die Voraussetzung, um einen Betrieb zu führen, Lehrlinge auszubilden und mit den Krankenkassen abzurechnen. Daneben gibt es Studiengänge in Augenoptik und Optometrie, Hörakustik und Orthopädie- und Rehatechnik sowie Fortbildungen zum Betriebswirt im Handwerk. Wer nicht selbstständig sein will, kann Filialleitung, Werkstattleitung, Klinikversorgung oder Anwendungsberatung bei Herstellern übernehmen.
Zukunft in Sachsen-Anhalt
Sachsen-Anhalt hat eine der ältesten Bevölkerungen in Deutschland. Mit dem Alter steigen Sehschwäche, Schwerhörigkeit, Diabetes mit Folgen für die Füße und der Bedarf an Prothesen, Orthesen und Mobilitätshilfen. Die Nachfrage nach diesen Handwerken wächst deshalb, während die Zahl der Fachkräfte nicht mithält. Viele Betriebe suchen Gesellen und Meister, und viele Inhaber suchen Nachfolger.
Die Technik verändert die Arbeit, ersetzt sie aber nicht. Hörsysteme werden per App eingestellt, Brillengläser digital berechnet, Prothesen mit 3D-Scan und Druck gefertigt. Trotzdem muss jemand messen, anpassen, erklären und nachjustieren, und das geht nur vor Ort. Die Nähe zu Kliniken, Reha-Zentren, Pflegeheimen und Facharztpraxen macht die Gesundheitshandwerke in Halle, Magdeburg, Dessau-Roßlau und den Kreisstädten zu einem festen Teil der medizinischen Versorgung. Die Handwerkskammer Halle zählt in ihrem Bezirk 12.755 Betriebe; die Gesundheitshandwerke sind darin eine kleine, aber stark nachgefragte Gruppe.
So bewerben Sie sich
Nennen Sie Ausbildung, Beruf und Schwerpunkte: Refraktion, Kontaktlinsen, Kinderoptik, Hörsystemanpassung, Tinnitusberatung, Prothetik, Orthetik, Reha-Technik, Einlagen oder Maßschuhe. Konkrete Angaben helfen, etwa welche Messgeräte und Software Sie kennen, ob Sie Abrechnung mit Krankenkassen beherrschen und ob Sie Patienten in Kliniken oder Heimen versorgt haben. Berufseinsteiger können Praktika im Fachgeschäft oder Sanitätshaus, Interesse an Medizin und Technik und Erfahrung im Umgang mit älteren Menschen nennen.
Klären Sie vor der Zusage Monatsentgelt, Wochenstunden, Provisionsmodell, Außendienst, Fortbildung und Verantwortung in Werkstatt oder Verkauf. Offene Stellen für Augenoptiker, Hörakustiker, Orthopädietechniker und Orthopädieschuhmacher in Sachsen-Anhalt finden Sie direkt unter diesem Artikel; die Bewerbung führt jeweils zum Betrieb.